Entwicklung der Zusammenarbeit Kirche - Schule

Stellungnahme der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gerlingen nach Beschluss des Gesamtkirchengemeinderats vom 23.04.2009

 
Dankbar für die seitherige gute Partnerschaft zwischen unseren Kirchengemeinden und den örtlichen Schulen und in Wahrnehmung unserer Verantwortung als öffentlich-rechtlicher Träger von Erziehung und Bildung melden wir uns zu Wort, um diese auch unter sich verändernden Rahmenbedingungen weiter zu befördern.

Wir sehen die gesellschaftliche Entwicklung hin zu Ganztagsschule, G8, Nachmittagsunterricht sowie Angeboten über den Unterricht hinaus (Schüleraustausch, Schullandheim etc.) und wir erkennen die familiäre Entwicklung, die eine Ganztagesbetreuung der Kinder fordert.

Wird die Schule dadurch zunehmend zum Lebensmittelpunkt, hat diese Entwicklung Konsequenzen für die kirchliche Jugendarbeit, die wir mit Sorge betrachten. Es gibt in Gerlingen eine lebendige kirchliche Jugendarbeit: Allein im Bereich der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde sind dies sieben Jungscharen, Kinder- und Jugendchöre, Gitarrengruppe, Jugendgruppen etc. Diese Angebote sind regelmäßig, wöchentlich und in der Regel am Nachmittag.

Aufgrund der steigenden schulischen Belastungen wird es zunehmend schwieriger, Jugendliche zu finden, die die notwendige Zeit und Kraft haben, sich in unserer Jugendarbeit zu engagieren oder diese Angebote zu besuchen. Durch die Einrichtung einer Ganztagssituation an den Grundschulen ist zu befürchten, dass die Möglichkeiten für Kinder kirchliche Angebote wahrzunehmen stark abnehmen werden.

Wir sind der Überzeugung, dass dies ein Verlust wäre nicht nur für die Kirche sondern auch für Gerlingen. Denn in diesen Zusammenkünften wird für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Wesentliches gelernt und geleistet im Blick auf das Sozialverhalten, die Werteerziehung und das Erleben von Freiheit und Geborgenheit.

Um gleichermaßen der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen und die Voraussetzungen für weitere gedeihliche Jugendarbeit unserer Gemeinden zu erhalten bzw. zu schaffen, wenden wir uns an alle, die Verantwortung tragen in den Schulen und für die Schulen und erklären hiermit, was aus unserer Sicht (auch) in Zukunft unverzichtbar ist:

  1. Die Evang. Gesamtkirchengemeinde Gerlingen begrüßt, dass auch künftig den Schulträgern und Schulen die Wahl zwischen der Einführung der Ganztagsschule und der Beibehaltung der Kernzeitbetreuung möglich ist. So werden bewährte Konzepte nicht vorschnell verworfen und regionale/strukturelle Gegebenheiten berücksichtigt. Wir sprechen uns dafür aus, diese Option auch für die Klassen 5 und 6 vorzusehen.

  2. Wir halten es für wichtig, dass Freiräume erhalten bleiben für Einzelabsprachen zwischen Schulen und Kirchengemeinden, was Angebot und Modalitäten der gemeinsam verantworteten Aktivitäten angeht.

  3. Für die Weiterentwicklung kirchlicher Jugendarbeit ist es von entscheidender Bedeutung, dass die angebotenen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche weiterhin in kirchlichen Räumen stattfinden können, auch wenn das Angebot in Kooperation mit der Schule erfolgt.

  4. Wir setzen uns dafür ein, dass Jugendliche, die im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit an Schulen Veranstaltungs- und Gruppenverantwortung übernehmen, dafür eine entsprechende Anerkennung (z. B. in der seitherigen Form einer Bescheinigung im Zeugnis/im Qualipass und – für die Oberstufe des Gymnasiums - eine Freistellung/Anrechnung für/von bis zu 2 Wochenstunden) erhalten.

  5. Nachdrücklich unterstützen wir den dringenden Wunsch der örtlichen Schulen nach Einführung bzw. Ausbau von Schulseelsorge im Umfang von 2 bis 3 Wochenstunden pro Schule.


gez. Dr. Hella Steineck-Kinder, gez. Pfarrer Wilfried Braun