Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Gerlingen spricht sich gegen verkaufsoffene Sonntage aus.
Pfarrer Wilfried Braun, geschäftsführender Pfarrer GesamtKGR, und Monika B. Feil, Vorsitzende für die Ev. Gesamtkirchengemeinde Gerlingen, im März 2003:
Warum wir gegen verkaufsoffene Sonntage sind:
Ein rechtliches ArgumentNach § 14 Abs. 1 des Ladenschlussgesetzes vom 28.11.1956 i.n.F. dürfen Verkaufsstellen aus Anlass von Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen an jährlich höchstens 4 Sonn- und Feiertagen geöffnet sein.
Dieses Gesetz wird gegen seine eigentliche Intention ausgelegt, wenn verkaufsoffene Sonntage auch zu allen möglichen anderen Anlässen (z. B. Sportveranstaltungen) genehmigt werden, oder gar zu ihrer Legitimation ein zusätzliches Programm inszeniert wird.
Ein soziales ArgumentDer verkaufsoffene Sonntag bringt eine stattliche Anzahl von Bediensteten in Handel und Gewerbe um ihre Sonntagsruhe. Mit den Angestellten sind deren Familien in Mitleidenschaft gezogen. Es ist uns bewusst, dass Sonntagsarbeit in manchen Bereichen unabdingbar notwendig ist, wir sehen aber keine Notwendigkeit, den genannten Personenkreis auch nur an einem einzigen Sonntag des Jahres um seine Sonntagsruhe zu bringen.
Der verkaufsoffene Sonntag ohne gegebenen Anlass kommt all denen entgegen, die den Sonntag als Tag der Ruhe ohnehin zur Disposition stellen wollen. Die öffentliche Diskussion zeigt, dass diese Befürchtung nicht von der Hand zu weisen ist. Wir meinen, dass der verkaufsoffene Sonntag ein falsches Signal ist.
Ein umweltpolitisches ArgumentWie an den verkaufsoffenen Sonntagen der letzten Jahre in unserer Gegend zu sehen war, stand der Umsatz der Einzelhändler schwerlich in einem gesunden Verhältnis zu den lästigen Begleiterscheinungen des zusätzlichen "Sonntagstourismus", die Straßen, Anlieger und Umwelt zu verkraften hatten. Das erklärte Ziel von Stadtverwaltung und Gemeinderat, den Innenstadtverkehr zu drosseln, wird unterlaufen.
Ein kulturelles ArgumentJede Kultur braucht einigende Symbole. Der Sonntag als Tag der Ruhe und die überwiegende Zahl der Feiertage sind christlichen Ursprungs und prägen seit Jahrhunderten die abendländisch-christliche Kultur. Sie sind einheitsstiftend. Wir meinen, dass man dieses einheitsstiftende Symbol des Sonntags nicht leichtfertig aufs Spiel setzen darf. Wo man die einheitsstiftenden Elemente einer Kultur zur Disposition stellt, darf man sich über den Verlust von Werten, den Zertfall von öffentlichem Engagement und den Rückgang gemeinschaftlichen Denkens nicht wundern. Wir glauben, dass der verkaufsoffene Sonntag - ebenso wie die willkürliche Abschaffung von Feiertagen - kulturzerstörend ist. Darum erheben wir dagegen Einspruch.
Ein theologisches ArgumentDer Sonntag ist der "Urfeiertag" der Christenheit. Der Sonntag ist Tag der Ruhe. Er ist allein um der Ruhe und der Muße der Menschen willen da. Der Sonntag ist von seiner Geschichte her ein Tag, der nicht verzweckt ist und der keinem Zweck geopfert werden soll. Der Sonntag ist Tag der gottesdienstlichen Feier, Tag der Auferstehung des Herrn, Tag der Erfahrung seiner Gegenwart, Tag der Versammlung im Gottesdienst. Der Sonntag ist entstanden aus der Feier des Abendmahls, das seit der Zeit der Apostel ununterbrochen gefeiert wird.
Der Sonntag ist - geprägt von der Tradition des jüdischen Sabbat - Tag der Freiheit, Tag der Abwesenheit von Herrschaft. Er steht jedem zu. Kein Mensch musste je begründen, warum er den Anspruch auf Ruhe geltend macht. Selbst dem Vieh wurde die Ruhe fraglos gewährt.
In der Abwesenheit von Herrschaft und von Arbeit haben sich Menschen seit jeher als Gleiche und Freie erfahren. Der Sonntag ist seit der konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert staatlich geschützt und zum öffentlichen Feiertag erhoben. Wir meinen darum, dass Christen diesen hohen Stellenwert des Sonntags auf keinen Fall preisgeben dürfen um eines geschäftlichen oder finanziellen Vorteils Willen.